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Silke Roesler: Medium. Map. Mobility.

Im Zuge der Entdeckung und Besiedlung des Nordamerikanischen Kontinents etablierte sich New York als Dreh- und Angelpunkt menschlicher Raumgestaltung. Dabei lässt sich die Geschichte New Yorks am besten an Hand von historischen Karten zurückverfolgen.1 Diese bilden den Stadtraum nicht nur ab, sondern es soll überprüft werden, inwiefern sich Karten als mediale Dispositive geradezu in den Stadtkörper New Yorks eingeschrieben und diesen überformt haben. Die zentrale Frage des  Vortrags soll daher lauten: Inwiefern generieren Karten eine eigene Version von Stadt?


Die Geschichte der Stadt New York stellt nicht nur eine Abfolge von historischen Ereignissen und in ihr handelnden Subjekten dar, sondern ist vor allem auch eine Geschichte ihres sich verändernden – realen und imaginativen – geographischen Raumes. Karten erscheinen dabei als wissenschaftliche Abstraktionen geographischer Realitäten. Sie stellen nicht nur durch technische Messinstrumente und wissenschaftliche Verfahren erzeugte Repräsentationen der physischen Welt dar, sondern sind immer auch Dokumente des Imaginären, eines „link between social practices and forms of the unconscious“2.  Sie produzieren gegenüber der materiellen Evidenz differenzierte „imaginative geographies“ oder sind Produkte dieser „geographical imagination“3.


Exemplarisch sollen drei historische Karten New Yorks vorgestellt werden. Sie scheinen eine Art Ausführungsvorschrift zu implizieren, indem sie den Stadtraum nicht abbilden, sondern vielmehr ex post existiert haben und erst im Nachhinein zu einer Realisierung bzw. Umsetzung des Kartenplans geführt haben. Verhandelt werden sollen der „Duke’s Plan“ (1664), der „Final Commissioners’ Plan“ (1821) sowie die „Tiffany Map of the IRT“ (1904).


Auf einer Metaebene soll dann in einem zweiten Schritt anhand der beiden New Yorker Medienprojekte „Yellow Arrows“4  und „iSee“5  überprüft werden, inwiefern Kartierung auch im 21. Jahrhundert gesellschaftliche Praktiken der Verortung steuern kann. Im Kunstprojekt „Yellow Arrows“ oszilliert der Passant zwischen Rezeption und Konzeption des Stadtereignisses, indem er durch das Ankleben von gelben Pfeilen selbst auf Sehenswertes im Stadtraum aufmerksam machen kann. Nach Befestigung des Pfeils ist der Käufer verpflichtet, ein Foto mit seinem Handy von dem angebrachten Pfeil zu erstellen und an die zentrale Datenbank zu schicken. Auf der Projekt-Homepage sind alle im Stadtraum New York angebrachten Pfeile auf einer Übersichtskarte vermerkt sowie mit Fotos und einer vom Pfeil-‚Besitzer’ verfassten Anekdote verlinkt.


Das Institute for Applied Autonomy thematisiert in dem Netzkunstwerk „iSee“ die mediale Hyperüberwachung der Stadt New York als Konsequenz der Terroranschläge vom 11. September. Aus den vom Nutzer auf der Projekt-Startseite einzugebenden Start- und Zielpunkten errechnet eine vom I.A.A. entwickelte ‚route-planning Software’ diejenige Wegstrecke zwischen den beiden angegebenen Koordinaten, die an den wenigsten Videokameras im Stadtraum vorbeiführt. Die Route wird auf der Computeroberfläche graphisch durch eine rote Linie hervorgehoben. Das „iSee“-Projekt weist dem User nun den Weg der geringsten Videoüberwachung im Stadtraum von New York.

Beide Projekte scheinen eine eigene Raumzeitdiagnostik anzubieten und sind auf das engste mit dem Medium Kartographie verknüpft. Die Projekte bieten zudem ein Wechselverhältnis zwischen realer und virtueller Welt an und basieren in ihrem Konzeptions- und Konstruktionsgedanken auf den eingangs vorgestellten Karten New Yorks. Inwiefern Karten Raum(-konfigurationen) generieren, steht daher im Mittelpunkt des Vortrags.

 

Anmerkungen

  1. Als die beiden wichtigsten Publikationen kartographischer Neuorientierung New Yorks gelten Paul E. Cohens und Robert T. Augustyns Manhattan in Maps (1997) sowie Eric Hombergs The Historical Atlas of New York City (1994).
  2. Pile, Steve/Thrift, Nigel (Hrsg.): Mapping the Subject. Geographies of Cultural Transformation. London/New York: Routledge 1995, S. 373.
  3. Massey, Doreen/Allen, John/Sarre, Philip (Hrsg.): Human Geography Today. Cambridge/Oxford/Malden: Polity Press 1999, S. 17.
  4. http://yellowarrow.net, 1. August 2007.
  5. http://appliedautonomy.com/iSee, 1. August 2007.