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Mikro Makro Medium

Eine Tagung der Nachwuchsforscher im SFB/FK 615 Medienumbrüche

 

14. bis 16. Februar 2008

Universität Siegen, Senatssaal

 

 

Das Forschungskolleg Medienumbrüche untersucht die Voraussetzungen, Strukturen und Folgen medientechnisch bedingter Zäsuren in der Kulturgeschichte. Im Zentrum stehen zwei besonders tief greifende Umbrüche: die massenmediale Etablierung autographischer Aufschreibesysteme um 1900 (Photo-, Phono- und Kinematographie) und die gesellschaftliche Durchsetzung der digitalen Unterhaltungs- und Gebrauchsmedialität um 2000 (Computer, World Wide Web, Global Positioning System). In zahlreichen Teilprojekten werden die geistes-, sozial- und ingenieurswissenschaftlichen Aspekte des Themas untersucht. Zusätzlich haben sich Arbeitsgruppen gebildet, in denen die Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher des Kollegs das Ausgangsthema projekt- und disziplinenübergreifend bearbeiten. In dieser Perspektive rücken insbesondere die historischen Bedingungen medial kontrollier- und verfügbarer Räume, Ereignisse und Zeitintervalle in den Fokus.


Die Tagung Mikro Makro Medium möchte ein Forum für Beiträge bieten, die den historischen Wandel solch medialer Raumzeitkonfiguration in medien-, literatur-, kunst-, technik- und wissenschaftshistorischer Hinsicht thematisieren: Wie kann der Wandel seit dem 19. Jahrhundert beschrieben werden?


Vier Problemfelder medialer Maßverhältnisse sind dabei auszumachen:

 

  1. Medien helfen, in die allgemeinen, maßlosen Anschauungsformen Raum und Zeit Relationen einzutragen, sie ermöglichen eine raumzeitliche Orientierung jenseits mikrosozialer Dimensionen. Indem Medien Daten aufzeichnen, speichern und verarbeiten, erschließen und bestimmen sie durch standardisierte Maßeinheiten Räume und Zeiten. In der Geschichte dieser medialen Skalierung lässt sich ein Differenzierungs- und Ausweitungstrend beobachten: Sowohl im Kleinsten als auch im Größten werden immer spezifischere Räume und Zeitintervalle verfügbar. Welche mikro- und makrologischen Ordnungsschemata sind auszumachen? Wie steuern etwa Zeitmessung, Kartierung, Mikro- und Teleskopie, Funkmeßtechnik, Data Mining oder Archivordnungen gesellschaftliche Praktiken der Verortung und Vergegenwärtigung?

  2. Zugleich etablieren mediale Dispositive eine eigene Räumlichkeit und Zeitlichkeit der Herstellung, Verteilung und Wahrnehmung von Kommunikaten. Die Ausbildung medialer Produktionszentren sowie deren Dezentralisierung, der unterschiedliche Zeitbedarf medialer Herstellungs- und Verteilungsprozesse und die sektorielle Umstellung medienvermittelter Kommunikation auf Echtzeit wirken ihrerseits auf die jeweilige Gesellschaft zurück. Wie überlagern und überformen Medientechnologien die Lokalitäten und Kausalitäten der Dinge und Ereignisse? Bis zu welchem Punkt werden diese überhaupt erst durch Medien generiert? Wie konstituiert die Verteilung von Theatern, Verlagen, Lichtspielhäusern und Rundfunkanstalten kulturelle Zentren und Peripherien? Wie verändert sich das Verhältnis zwischen Zentren und Peripherien unter dem Eindruck des Digital Divide? Wie gestaltet sich unter diesen Bedingungen eine politische Öffentlichkeit?

  3. Im Feld zwischen medialer Skalierung von Raum und Zeit und der medialen Konstitution von Orten und Ereignissen bestehen Differenzen und Spannungen. Hier kann Reflexion einsetzen, die wiederum medial ausagiert wird. In Künsten, Wissenschaften und ihren Diskursen lässt sich eine mediale Raumzeitdiagnostik beobachten, die den historischen Wandel medialer Raumzeitkonfigurationen affirmiert, kritisch begleitet oder sogar vorwegnimmt. Von besonderem Interesse sind in diesem Bereich vor allem solche Vorgriffe, also technologische, ästhetische und begriffliche Prototypen, die in ihrem jeweiligen Feld einen mehr oder weniger radikalen Bruch verwirklichen: Wie könnten die Bewegungsdarstellungen vor und neben dem Bewegungsbild beschreiben werden? Wie wird die apparative Einbeziehung des Rezipienten in die mediale Darstellung vor und neben den Technologien der Virtuellen Realität verwirklicht?

  4. Die mediale Entwicklung vollzieht sich ungleichzeitig und partikular. Wie könnte eine Raumzeitdiagnostik den Gegensatz zwischen mikrologischen und makrologischen Perspektiven dementsprechend problematisieren? Nicht in allen gesellschaftlichen Bereichen werden mediale Innovationen zeitgleich verwirklicht, nicht alle Weltgegenden sind gleichermaßen in die hier beschriebene Modernisierungsdynamik des Westens eingebunden. Die traditionellen sozialwissenschaftlichen Unterscheidungen zwischen makrotheoretischem System und mikrotheoretischer Organisation wäre auf ihre medienhistorischen Bedingungen zu befragen: Lässt sich die Mikro-Makro-Differenz heute noch allgemein voraussetzen? Welche politischen Machtverhältnisse werden durch Mikro-Makro-Differenzen festgeschrieben? Inwiefern tragen Theorien und Praktiken des Netzwerkes, wie sie in den Science and Technology Studies formuliert werden, dazu bei, diese Konflikte aufzulösen?

15 Nachwuchsforscherinnen und -forscher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stellen auf unserer Tagung ihre Forschungsergebnisse zur Diskussion.

 

Nähere Informationen zum Programmablauf und den einzelnen Beiträgen finden Sie unter Programm.

Mikro Mandarine